Schweizerin (51) bangt um ihr Lebenswerk in der Hauptstadt der Elfenbeinküste
 
KAIRO Am Freitag wurden die letzten Europäer aus der Elfenbeinküste ausgeflogen. Doch während sie das vom Bürgerkrieg verwüstete Land verlassen, hat die Schweizerin Lotti Latrous nur einen Wunsch: So schnell wie möglich nach Abidjan zu fliegen.

Dort, in den Slums der Hauptstadt, hat die Frau eines Nestle-Managers ihr Lebenswerk aufgebaut, eine Ambulanz für Aids-Kranke und ein Sterbespital, in dem 35 Erwachsene und 20 Kinder untergebracht sind. Doch die Unruhen im Land drohen alles zu zerstören. "Die Angst sitzt uns im Nacken", sagt die 51-Jährige. Denn ihre Mitarbeiter vor Ort werden angegriffen. Gerade erst drangen Vandalen in die Ambulanz ein und drohten, alles anzuzünden. Auch Medikamente gehen zur Neige. "Manche sind schon aufgebraucht. Aber Aids-Medikamente muss man regelmässig nehmen, sonst entwickeln sich Resistenzen und die Krankheit brechen schneller aus", sagt sie. Ihr drittes Projekt, ein Mutter-Kind-Heim wird nun nicht rechtzeitig fertig. "Es hätte ein Weihnachtsgeschenk sein sollen, für die Waisen, die im Spital leben. Die Kinder hätten endlich ohne den immer präsenten Tod leben sollen."

Als reiche Frau, mit Chauffeur und Swimmingpool, kam Latrous Ende der 90er Jahre mit ihrem Mann Aziz nach Abidjan - und konnte die soziale Ungerechtigkeit bald nicht mehr ertragen. "Ich musste handeln", sagt sie und blieb in Abidjan als ihr Mann nach Kairo versetzt wurde. Während eines Besuchs bei ihm wurde sie nun von den Ereignissen überrascht - und hofft, am Montag wieder nach Abidjan reisen zu können. Über ihre Arbeit dort berichtet das Buch "Madame Lotti".

N. Kettinger