Vom Luxus
zur Lebenshilfe
Als
das schwarze Mädchen vor ihr stand und um Brot bettelte, fühlte Lotti
Latrous den Irrsinn ihres bisherigen Lebens. Die Ehefrau eines Nestlé-Direktors
schwelgte im Luxus - umgeben war sie von grenzenlosem Elend. Die Schweizerin beschloss,
ihr Leben dem Kampf gegen Aids und Armut an der Elfenbeinküste zu widmen.
Lotti Latrous ist zu Gast im mittagsmagazin. 14.02.2005 1999 errichtete
sie ein Hospital in der Hauptstadt und Wirtschaftsmetropole Abidjan. Mitten im
Slum. Finanziert mit Hilfe von Spendengeldern und Patenschaften aus der Schweiz.
Es besteht aus einer Ambulanz und einem Sterbehospiz. Zentrum der Hoffnung
Centre d'Espoir hat Lotti Latrous es genannt, "Zentrum der Hoffnung".
Denn Hoffnung ist für viele Schwarzafrikaner ein Fremdwort. Nach dem neuesten
UN-AIDS-Bericht starben im Jahr 2003 weltweit 3 Millionen Menschen an Aids. 2,2
Millionen von ihnen in Schwarzafrika - dort wo nur 10 Prozent der Weltbevölkerung
leben. Lotti Latrous kümmert sich mit aufopferungsvoller Liebe um Menschen,
die oftmals keine Zukunft haben. Häufig bleiben ihr nur Berührungen
oder Worte, denn die 51-Jährige weiß, dass der Tod ihr ständiger
Begleiter im Hospital ist. Sie klärt daher Jugendliche vor den Gefahren
von ungeschütztem Geschlechtsverkehr auf und hilft mit Aids-infizierten Müttern,
die sich eine Therapie nicht leisten können. Ein Mütter- und Waisenhaus
soll schnellstmöglich entstehen. Dafür kämpft "die Weiße",
wie sie ehrfürchtig genannt wird, Tag für Tag. Gefährliches
Unterfangen Ein heikles Projekt auf dem schwarzen Kontinent, denn es herrscht
Bürgerkrieg an der Elfenbeinküste. Nach massiven Drohungen haben fast
alle Weißen das Land verlassen. Das Zentrum der Hoffnung wurde beinahe von
einem wütenden Mob abgefackelt. Die "Schweizerin des Jahres
2005" zahlt noch einen ganz anderen Preis für ihre Mission. Sie lebt
räumlich getrennt von ihrer Familie. Ihr Mann Aziz - ein Tunesier - lebt
mit den drei gemeinsamen Kindern berufsbedingt in Kairo. Lebenswerk
zum Nachlesen Autorin Gabriella Baumann-von Arx hat Lotti Latrous zwei
fesselnde Bücher gewidmet. Das aktuelle Werk "Madame Lotti" erzählt
von den Motiven und Gefühlen eines außergewöhnlichen Menschen.
Es erzählt von Lottis Ehemann, der erkannt hat, dass er sie gehen lassen
muss, um sie nicht zu verlieren. Und es erzählt von Leben und Tod auf dem
schwarzen Kontinent.
|