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ZDF-aspekte

Weißer Engel von Abidjan

Der Einsatz einer Schweizerin an der Elfenbeinküste


Sie ist eine Kämpferin in einem kriegsversehrten Land: "Lotti, La Blanche" ist der Name, den die Afrikaner in den Slums von Abidjan der Schweizerin Lotti Latrous gegeben haben, die sich mit Leib und Seele für die Ärmsten der Armen einsetzt.

19.11.2004
In den letzten sechs Jahren hat sie aus eigener Kraft ein AIDS-Spital in der Elfenbeinküste aufgebaut. Ihre Freundin Gabriella Baumann-von Arx hat sie dabei begleitet - "Madame Lotti" heißt das jetzt in Deutschland erscheinende Porträt einer außergewöhnlichen Frau.
Ehefrau eines Topmanagers

Lotti Latrous sammelt in den Slums der Hauptstadt Abidjan die Ausgestoßenen ein, gibt Sterbehilfe, versucht Leben zu retten. Dafür trennte sie sich von ihrer Familie und verzichtete auf das luxuriöse Leben als Ehefrau eines Topmanagers, dafür wäre sie bereit, auch jetzt, da der Bürgerkrieg in der Elfenbeinküste selbst ihr AIDS-Spital bedroht, bei ihren Patienten zu bleiben. Doch sie sitzt fest, in Kairo.
Nur drei Tage wollte Lotti Latrous in Ägypten bleiben - dann kam der Krieg dazwischen, mittlerweile sind drei Wochen daraus geworden. Abidjans Flughafen bleibt geschlossen. Fieberhaft versucht Lotti Latrous, Kontakt mit ihrem Spital zu halten. Sie sieht im Fernsehen, wie alle Franzosen und überhaupt Weiße aus ihrer Wahlheimat ausgeflogen werden. Doch ihr Entschluss steht fest: Sie wird die AIDS-Kinder von Abidjan nicht im Stich lassen.
Nur mit Spendenmitteln

Noch vor drei Wochen konnte man Lotti Latrous bei ihrer Arbeit in der Elfenbeinküste begleiten. Aus eigener Kraft, nur mit Spendenmitteln, hat sie ein AIDS-Spital aufgebaut. Dort wo die Ärmsten der Armen von Abidjan leben - in einem Slum.
Oft kann sie den AIDS-Kranken nur noch Sterbehilfe leisten. Wer AIDS hat in Afrika wird oft von der Familie ausgestoßen. Lotti Latrous aber bleibt am Bett des Sterbenden, bis es vorbei ist. Für 700 Kranke war Lotti Latrous bisher die letzte Instanz. Der AIDS-Virus mergelt die Leute aus - sie päppelt sie wieder auf. Gibt ihnen ein Stück Würde zurück. AIDS- das sind unerträgliche Schmerzen. Wenigstens lindern will sie. 380 Menschenleben konnte sie bis heute retten. Frank Vorpahl traf sie in Kairo:
Wohin mit den Leuten?

Frank Vorpahl: Wie geht es Ihnen, wie geht es den Franzosen und anderen Ausländern, die nun die Elfenbeinküste verlassen mussten?
Lotti Latrous: Wissen Sie, die Leute haben ja nichts mehr in Frankreich. Wenn man dort in Afrika geboren ist. Stellen Sie sich mal vor, Sie müssen jetzt da raus aus Deutschland, irgendwohin in ein Land, von dem Sie zwar abstammen, aber in dem Sie nicht gelebt haben. Darum hat Frankreich auch so lange gewartet, die Leute auszufliegen, weil sie ja nicht wissen, wohin. Das sind fast 20 000 Franzosen. Wohin mit den Leuten? ( ... ) Sobald der Airport offen ist, gehe ich wieder zurück.
Vorpahl: Was haben Sie für ein Verhältnis zu den Menschen in Ihrem Aids-Hospital?
Latrous: Wir lesen alle die Leute auf, die niemand anderes mehr haben will. Die 20 Durchfälle haben am Tag. Die Krebs haben. Die Tuberkulose haben. Die nicht mehr essen können, weil sie den ganzen Mund voller Wunden haben ... Die können nicht mehr essen, die brechen nur noch, die brechen, die brechen. Die sind bis auf 22-23 Kilo abgemagert. Ich weiß nicht, ob Sie sich das vorstellen können. 22 Kilo - und das sind alles sehr junge Menschen. Es könnten meine Kinder sein. Und die - die vertrauen Ihnen. Nicht unbedingt, dass sie sie wieder lebend machen können. Aber sie wissen: der hat mich aufgelesen.
Und ich sage denen auch immer: Du bist wichtig für mich, ich brauche Dich, Du gibst mir den Sinn meines Lebens, Dank Dir habe ich den Sinn meines Lebens gefunden, dank Dir weiß ich, was ich nicht brauche, um glücklich zu sein, weil Du allein, Ihr alle, die Ihr im Sterben liegt, uns glücklich macht.
 
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