Porträt

Lotti Latrous wurde 1953 in Dielsdorf geboren. Sie wuchs in Regensberg auf und ging mit sechzehn Jahren als Au-Pair nach Genf, um französisch zu lernen. Dort traf sie den Tunesier Aziz Latrous und damit die Liebe ihres Lebens. Eine Liebe, die in ihrer Grosszügigkeit und ihrem Respekt füreinander wohl einzigartig ist.

Durch die Arbeit Aziz Latrous' als Nestlé Direktor kam die Famillie mit den Kindern Sonia, Selim und Sarah von Jeddah über Nigeria und Kairo nach Abidjan, in die Wirtschaftsmetropole der Elfenbeinküste (Westafrika).

Nach zwei Jahren begann Lotti Latrous im "Mutter Teresa"-Krankenhaus zu arbeiten. Das Elend, das sie, die privilegierte Frau mit Chauffeur, Koch und Swimmingpool dort antraf, veranlasste sie in Adjouffou, einem der Elendsviertel Abidjans ein Ambulatorium zu bauen. Dies mit der vollen Unterstützung ihres Mannes. Kaum war dieses eröffnet, versetzte Nestlé die Familie Latrous nach Kairo zurück.

 
Weil Lotti Latrous das Ambulatorium weiterhin betreuen wollte, handelte sie mit ihrer Familie einen Deal aus: Zwei Monate Kairo, einen Monat Abidjan. Es stellte sich allerdings schnell heraus, dass der Spagat zwischen dem Ambulatorium im Slum und der Familie in Kairo auf die Dauer nicht gemacht werden konnte und eine Entscheidung gefällt werden musste. Eine Entscheidung, die Ehe und Familie zwar hart traf, beides aber nicht zerbrechen liess.

Das war vor neun Jahren. Heute leben Selim (29) und Sonia (27) sowie seit kurzem auch Sarah (19) und der erst kürzlich pensionierte Aziz in der Schweiz und Lotti im Slum von Adjouffou. Lotti Latrous reist wenn immer möglich vier mal im Jahr zu ihrer Familie und wird von ihr auch oft in Abidjan besucht.

Im Jahr 2002 erhielt Lotti Latrous den renommierten Adele-Duttweiler-Preis.

Im Dezember 2004 wurde sie von den Leserinnen von "Bild der Frau" zur Frau des Jahres gewählt.

Am 8. Januar 2005 wählte sie das Schweizer Volk anlässlich des "Swiss Awards" zur Schweizerin des Jahres 2004.

Aids in Afrika

Alle acht Sekunden stirbt in Afrika ein Mensch an Aids. In den nächsten zehn Jahren wird die Immunschwächekrankheit südlich der Sahara mehr Menschen töten als alle Kriege des zwanzigsten Jahrhunderts. Die Zahl der Waisen wird ins Unermessliche steigen, die der positiv Geborenen auch. Nirgendwo auf der Welt richtet das Virus so große Schäden an wie im südlichen Afrika. Laut dem neuesten UNAIDS Bericht starben im Jahr 2003 weltweit 3 Millionen Menschen an Aids. 2,2 Millionen von ihnen dort, wo nur gerade 10 Prozent der Weltbevölkerung leben, in Schwarzafrika. Teilt man diese 2,2 Millionen durch die Anzahl Tage, die das Jahr 2003 hatte, so erfährt man, dass südlich der Sahara pro Tag 6'000 Menschen an derImmunschwächekrankheit starben.