Jahresrückblicke |
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Bericht aus Abidjan zum Jahr 2007 Das Waisenhaus war im Berichtsjahr 2007, dem zweiten Jahr seines Bestehens, bereits überbesetzt: Bei 44 vorhandenen Betten wurden 52 Kinder aufgenommen, wobei einige davon, ohne es zu wissen, den Platz ihrer Vorgänger, die leider sterben mussten, einnehmen konnten. Vier Schützlinge unseres Waisenhauses starben im Jahr 2007. Aber das Glück, dass jedes einzelne der Kinder uns spüren lässt, hilft uns, die Trauer über diejenigen Kinder besser zu verkraften, die uns das Schicksal genommen hat. Im Centre Espoir d‘eux, dem Sterbespital, hatten wir wiederum zahlreiche Neueintritte. Und wie jedes Jahr befanden sich diese Menschen bereits im Endstadium ihrer Krankheit. Es ist für diese mittellosen Menschen schwierig, in unserem Quartier eine Krankenhausbehandlung ins Auge zu fassen. Für sie und auch für ihre Angehörigen ist ein Krankenhausaufenthalt ein Synonym für Geld. Und Geld haben sie keines. Diese Umstände erklären, weshalb die Anzahl an Kranken, die sterben mussten, höher ist als die Anzahl derjenigen, die wieder geheilt und nach Hause geschickt werden konnten. Im Jahr 2007 konnten bei 245 Aufnahmen lediglich 113 (41%) geheilt werden, 59% der Kranken starben. Für das Centre Espoir Un, dem Ambulatorium, war das Berichtsjahr vor allem deshalb bedeutsam, weil sich das Centre seit Anfang Jahr mit formeller Zustimmung des Gesundheitsministeriums offiziell als „Centre de Suivi et de Traitement de malades affectés par le VIH-SIDA“ „CEA“ (Centre Espoir Adjouffou) nennen darf. Dies befähigt die Organisation - falls nötig - Gesuche für internationale Subventionen zu stellen, kostenlose Bezüge von Labormaterial für HIV-Analysen zu tätigen sowie eine Zuweisung an anti-retroviralen Medikamenten zu erreichen. Im Jahr 2007 wurden 1'140 Kranke positiv auf Aids getestet und vom CEA übernommen. Da die Organisation gleichzeitig die Transportkosten nach Adjouffou sowie zu einem für schwangere Frauen und Kinder spezialisierten Zentrum, dem Centre CIRBA von Dr. Henri Chenal, übernimmt (eine große Anzahl unserer Kranken macht ihre Kontrolluntersuche dreimonatlich im CIRBA bzw. gehen monatlich dort hin, um ihre Aids-Medikamente zu beziehen), hat das Centre Espoir aus Kostengründen beschlossen, seine Aktivitäten einzuschränken und nur noch Kranke zu übernehmen, die im Umkreis von drei bis fünf Kilometer zum CEA wohnen. Natürlich ist es nicht einfach, einen solchen Beschluss umzusetzen. Für die Folgejahre ist hier jedoch noch einiges an Kosteneinsparungen möglich. Ebenfalls um Transportkosten einzusparen, hat die Organisation anfangs 2008 beschlossen, eine spezielle Apotheke für die Lagerung und Weitergabe der Aids-Medikamente einzurichten. Bei einem Grossteil der vom Centre Espoir Un unterstützten Menschen handelt es sich um Sozialfälle: Bedürftige, Notleidende und Kranke, die nach einem Gespräch mit mir und allenfalls zusätzlichen Abklärungen unseres Sozialassistenten als solche eingestuft werden. Bei 90% handelt es sich um Frauen mit Kindern, die weder Einkünfte noch eine Arbeit haben und oftmals von ihren Ehemännern, ihrer Nachbarschaft oder vom Hausbesitzer auf die Strasse gestellt worden sind, da sie HIV-positiv sind. Diesen Menschen gewährt das Centre Espoir folgende Hilfe: Wöchentliche Hilfe, finanzielle Unterstützung beim Aufbau eines Kleingewerbes, schulische sowie auch medizinische Unterstützung. Die wöchentliche Hilfe an ca. 350 Personen beinhaltet neben der finanziellen Unterstützung mit 3'000 - 5'000 CFA (SFr. 7.50 – 12.50) pro Familie auch die Abgabe von 2 bis 3 Kilo Reis sowie hie und da auch von Milch. Viele Personen, die kein Einkommen erzielen, haben selbstredend auch Probleme mit ihrer Unterkunft. Oft sind sie mit der Mietzinszahlung im Rückstand, sodass sie der Hausbesitzer auf die Strasse stellt. Diese Ausgaben haben sich im Berichtsjahr um 30% erhöht, da die Lebensbedingungen im Allgemeinen immer härter werden. Kosten 2007 Im Jahr 2007 haben sich die Ausgaben für das Centre Espoir um ca. 30% erhöht. 10 - 15% sind auf die Erhöhung der Grundnahrungsmittel zurückzuführen. 15 - 20% beruhen auf der Zunahme der im Centre neu aufgenommenen Patienten. Die Kosten für die Medikamente stiegen um 42%. Diese Kostensteigerung ist damit zu erklären, dass im Jahr 2007 25'000 Kranke (im Jahr 2006 22'000) aufgenommen worden sind. Zudem gab es eine örtliche Knappheit von Medikamenten, die die öffentliche Apotheke betroffen hat. Diese Apotheke gibt ihre Medikamente 30% günstiger ab als die anderen Apotheken in der Stadt, bei denen wir uns dann notgedrungen eindecken mussten. Die Centres Espoir unterstützen nach wie vor nur diejenigen Menschen, die den Mindestbetrag für eine Untersuchung (ca. Fr. 0.80) bzw. die Medikamente für die Behandlung ihrer Krankheit nicht bezahlen können. Im Jahre 2007 konnten die Kosten für externe Laboruntersuchungen gesenkt werden. Diese Tatsache erfüllt uns mit Stolz, zeigt sie doch die Wirksamkeit unserer Investitionen in den Bereichen Analyse-Material und Laborgeräten. Dank grosszügigen Spenden konnten wir im Berichtsjahr unser Labor erweitern, sodass wir nun ein vollständig ausgestattetes Labor sind, wo alle Tests für unsere Aids-Patienten durchgeführt werden. Dies führt dazu, dass wir alles notwendige Material für die Aids-Untersuche gratis über eine Stiftung beziehen können, was eine große finanzielle Entlastung bedeutet. Auch die jährlichen Unterhaltskosten des Labors werden durch diese Stiftung übernommen. Hingegen sind die Kosten für chirurgische Eingriffe und Krankenhausbehandlungen stark angestiegen (rund 70%). Einerseits konnten wir nicht mehr so einfach wie früher, auf die (kostenlosen) chirurgischen Dienste des Militärs zurückgreifen. Es scheint, als ob die Militärs, die alle zwei Monate abgelöst werden, die Anfragen von religiösen Instituten bevorzugen. Aus diesem Grunde sahen wir uns gezwungen, die Dienste eines Schweizer Urologen und Chirurgen in Anspruch nehmen zu müssen, der im Spital in Dabou, etwa 20 Kilometer von Abidjan entfernt, seine Operationen durchführt. Die hierbei anfallenden Kosten im Spital Dabou wurden uns leider nicht erlassen. Im Jahr 2007 hatten wir in den drei Centres Espoir 55 Angestellte, für die die Löhne wie auch die gesetzlichen sozialen Abgaben bezahlt wurden. Neu investiert wurde im Berichtsjahr in ein Stromaggregat (vorab für die Apotheke Espoir Un). Ein weiteres Aggregat wurde uns von einer lokalen Gesellschaft für das Sterbespital und das Waisenhaus gespendet. Ferner wurden neue Räume zur Unterbringung von Radiologie und Labor gebaut. Diese Räume mussten mit Klimageräten ausgestattet werden. Zum Schluss meines Berichts möchte ich mich ganz herzlich bedanken. Bedanken bei allen Spenderinnen und Spendern, Stiftungen, Service-Clubs und anderen Verbänden, die mich bei meinem Vorhaben unterstützen, die drei Centres Espoir weiterzuführen.
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