Liebe Gönnerinnen, liebe Gönner

Diesen Brief schreibt Ihnen ausnahmsweise nicht Lotti selbst, sondern ich, Ines Pöschel. Als Vizepräsidentin der Stiftung Lotti Latrous habe ich diesen Sommer – auf eigene Kosten versteht sich – drei Wochen im Centre L’Espoir in Grand Bassam verbracht. Während dieser Zeit hatte Lotti die Idee, ich solle meine Erlebnisse doch für den nächsten Brief aufschreiben. Deshalb stammt er nun ausnahmsweise aus meiner Feder.

 

Das neue Centre L’Espoir Adjouffou – Grand Bassam: Eine Oase inmitten des Elends

Im Sommer 2016 hatte ich die Baustelle in Grand Bassam besucht und jetzt, ein Jahr später, ist alles fertiggestellt. Mit grosser Sorgfalt, enormer Energie und viel Liebe hat Lotti’s Ehemann Aziz Latrous diesen komplexen Bau nicht nur schneller, sondern auch günstiger als geplant umgesetzt. Und alles ist noch viel schöner geworden, als wir uns das hätten ausmalen können: An jeder freien Ecke wachsen Blumen, Früchte und Gewürze, der Rasen spriesst, und die alten Bäume im Garten haben die Bauerei – sorgsam beschützt – gut überlebt. Es ist wirklich ein kleines Paradies geworden. Ein Paradies, in welchem die rund 80 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen nun unter optimalen Bedingungen ihrer täglichen Arbeit nachgehen und sich gelegentlich in den kleinen Moscheeraum oder in die kleine Kapelle zum Gebet zurückziehen können. Ein Paradies, in welchem die unzähligen grossen und kleinen Patienten, die jeden Tag im Ambulatorium um Hilfe suchen, rasch und sehr professionell betreut werden. Ein Paradies, in welchem die kranken Kinder, Frauen und Männer, in klimatisierten Zimmern hospitalisiert werden können. Ein Paradies, in welchem die Kinder des Kinderheims «LOAZIZ de L’Espoir» im Garten unter Schatten spendenden Bäumen herumtollen können.

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Im Namen der Stiftung und des gesamten Stiftungsrates möchte ich Aziz Latrous an dieser Stelle von Herzen für dieses unglaubliche Geschenk danken, das er den bedürftigen Menschen hier vor Ort gemacht hat. Ohne ihn wäre dies alles schlicht nicht möglich gewesen! Auch Lotti und ihrer Vertreterin Marie-Odile sei gedankt, auch sie haben in dieser Zeit Unglaubliches geleistet und Unmögliches möglich gemacht! Ein Dankeschön gehört aber auch allen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, die alles unternommen haben, um den grossen Umzug reibungslos zu ermöglichen. Und ein grosses Merci gehört Ihnen, denn ohne die Unterstützung von Spenderinnen und Spender wäre all dies hier schlicht nicht möglich.

IMG 6801 x Aziz Homepage

 

Die Mitarbeiter – L’Esprit de Lotti, L’Esprit de L‘Espoir

In der Zeit, die ich in Grand Bassam verbringen durfte, habe ich viele Gespräche mit den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen geführt. Und wie schon letztes Jahr war ich sehr beeindruckt von deren hoher Motivation und ihrer Professionalität. Die Ärzte, die Krankenschwestern, die Sozialarbeiter, die Apotheker und deren Gehilfinnen, die Buchhalterinnen, die Laboranten, die «Nounou’s», die Psychologin, der Hauswart, die Pädagogin, die Hebamme, der Röntgenassistent, die Köchinnen und viele mehr, sie alle arbeiten respektvoll Hand in Hand und verfolgen dabei alle das übergeordnete gemeinsame Ziel, den hilfs- und pflegebedürftigen Menschen bestmöglichst zu helfen und ihnen mit Respekt und Achtsamkeit zu begegnen.

IMG 6757 x Kindergruppe Homepage         IMG 7182 x Lotti Homepage

 

Einbettung vor Ort – Soyez les Bienvenues!

Für Lotti war es von Anfang an wichtig, dass das Centre in Grand Bassam nicht auf Widerstand stösst. Es hat mich enorm gefreut zu erleben, wie dankbar die Menschen jetzt über das neue Zentrum sind. Rasch hat sich in den umliegenden Slums herumgesprochen, wie gut und rasch hier geholfen wird, und nachdem die Patienten aus Adjouffou weiterhin auch hierher kommen, ist der Andrang noch grösser geworden. Es sind aber auch kleine Episoden, die zeigen, wie positiv das Centre L’Espoir aufgenommen wurde: So musste zum Beispiel ein Mann Untersuchungen im naheliegenden öffentlichen Spital machen lassen, und er hatte nicht genügend Geld dabei, um sie bezahlen zu können. Dazu ist zu sagen, dass in der Côte d’Ivoire niemand behandelt wird, auch im Notfall nicht, bevor er nicht die Kosten vorab bezahlt hat. Eine Operation wird erst dann durchgeführt, wenn der Patient vorgängig die notwendigen Medikamente, das Verbandsmaterial, die Tupfer, die sterilen Handschuhe für den Arzt etc. besorgt und berappt hat. Es werden daher sehr viele kranke Menschen gar nicht erst behandelt! Wissend, dass der Patient im Centre L’Espoir bekannt ist, rief der Arzt kurz an und bot an, die Untersuchungen schon einmal zu machen, er sei sich sicher, dass der Fehlbetrag vom Centre später beglichen würde. Welch Vertrauen! Auch durfte das Centre für notwendige Krankentransporte schon die Ambulanz des öffentlichen Spitals von Grand Bassam verwenden.

 

Besuche bei Prof. Rokia Berete und Initiative Plus

Schon seit vielen Jahren unterstützt die Stiftung Lotti Latrous die sogenannte «Initiative Plus». Diese versorgt die HIV-Patienten, die im Universitätsspital von Treicheville nüchtern zur regelmässigen Blutanalyse kommen müssen, mit einem kleinen Frühstück. Pro Monat verteilt diese Organisation ca. 2'500 solcher «Zmorge». Ein kleines Highlight für die Kranken, die durch diese Initiative auch zu einer kleinen Familie zusammengewachsen sind. Ebenfalls im Universitätsspital von Treicheville beheimatet ist die Augenklinik von Professorin Rokia Berete, die sich unter anderem dem Kampf gegen das Retinoblastom, einer bösartigen Krebserkrankung des Auges verschrieben hat und jetzt dank neuen Geräten und einem zur Verfügung gestellten OP schon bald unzähligen Kindern das Leben wird retten können. Was für ein Geschenk, diese Frau mit ihrer enormen Energie kennenzulernen und sie in ihrem Engagement – auch dank Ihren Spenden – unterstützen zu dürfen. Tag für Tag kämpft sie mit einem hoch motivierten Team und unter sehr schwierigen Umständen dafür, den unzähligen Augenpatienten helfen zu können. Es war für mich fast unerträglich, das Leid der auf Holzbänken draussen vor dem Augenzentrum wartenden Schwerkranken zu sehen.

IMG 7204 Arztpraxis Berete Homepage                 IMG 7077 Ines Homepage

 

Viele persönliche Begegnungen und berührende Momente

Es gab viele glückliche, aber auch viele sehr traurige Momente, die ich in Grand Bassam erleben durfte. Tieftraurig war es akzeptieren zu müssen, dass es für den jungen Bouba, der völlig abgemagert und schwerstkrank ins Centre zurückkam, keine Hoffnung mehr gab. Genau wie für einen anderen aufgeweckten Jungen auch nicht, der unter einem schrecklichen Tumor litt.

Glücklich hingegen machte es mich, einem der Jugendlichen im Waisenhaus zu seiner Matura mit Auszeichnung gratulieren zu dürfen. Und dankbar machte mich die Tatsache, dass einem stark behinderten Jungen sein grösster Wunsch erfüllt werden konnte: «Nager» – er durfte schwimmen. Die Soirée Lumière, die im Rahmen der Ferienkolonie organisiert wurde, werde ich nie vergessen. Im Kerzenlicht erzählten die Jugendlichen den mit leuchtenden Augen zuhörenden Kindern Geschichten und sangen mit ihnen Lieder, und zum Abschluss las Lotti allen ihr selbst geschriebenes Märchen vom kleinen Waisenstern vor. Auch das Strahlen der vollständig gelähmten Patientin Sylvie wird mir ewig in Erinnerung bleiben, als sie mithilfe des ihr vorgesagten ABC’s und einem Augenzwinkern an der richtigen Stelle wieder mit ihrer Tochter und den Betreuerinnen kommunizieren konnte. Die Dankbarkeit von Müttern oder Vätern erleben zu dürfen, wenn sie erfahren, dass ihren Kindern geholfen werden kann ist ein weiteres Geschenk, das ich Ihnen gerne weiterreiche, denn all dies, was die Lotti Latrous-Familie hier möglich macht, ist nur dank Ihren Spenden möglich. 

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Von Herzen – und auch in Namen von Lotti  – alles Liebe.

Ines Pöschel