Bücher - Leseprobe Lotti, La Blanche

Die Rezension der Aids Hilfe Schweiz.

Mit diesem einfühlsamen und höchst eindrücklichen Portrait der Schweizerin Lotti Latrous und ihrer Aids-Arbeit in der Elfenbeinküste gibt die Autorin Aids in Afrika und dem Einsatz für die betroffenen Menschen ein sehr persönliches Gesicht. Pendelnd zwischen der nachvollziehbaren Bewunderung für das unermüdliche Engagement von Lotti Latrous und den Geschichten der Sterbenden im Aidshospiz Centre d’Espoir in Abidjan berührt das Portrait durch die lebendigen Schilderungen des Lebens mit und ohne Aids in der Republik Elfenbeinküste in klarer und schnörkelloser Sprache. - Katharina von Allmen.

Werd Verlag
232 Seiten, mit farbigen Abbildungen
15 x 21 cm, gebunden
CHF 39.90 oder

€ 28.00
ISBN 3-85932-461-6

Das Buch kann hier bestellt werden. (Versandkosten
CHF 7 oder €
5)


"Lotti, La Blanche" ist jetzt auch als Taschenbuch von
Droemer/ Kanauer
erhältlich.

Das Taschenbuch kostet
€ 8.90 und kann hier bestellt werden.



ISBN 3426777908

Afrika hatte mich gelehrt, dass es auf dieser Welt Menschen gibt, die nie und nimmer auf ein Krankenauto hoffen können, das sie - mit Blaulicht, Martinshorn und im Tempo des gehetzten Affen - in ein hochmodernes Krankenhaus fährt. In Schwarzafrika kann man noch so schwer verletzt oder sterbenskrank in einem Strassengraben oder vor einem Nachtclub liegen, kann man ein noch so kleines Kind sein, Hilfe zu bekommen ist ganz einfach unerschwinglich. Genau wie der Medikamentencocktail der Aids-Therapie auch.

Die Medien berichten im Moment darüber, dass die Chemiemultis die teuren Medikamente billiger in die Entwicklungsländer liefern wollen. Aber billiger ist nicht billig genug. Gratis wäre die Lösung. Und tatsächlich ist es so, dass an der Elfenbeinküste positiv getestete Kinder, im Bedarfsfall, die Medikamente vom Staat gratis erhalten. Die Schande daran aber ist die, dass sie irgendwann achtzehn werden - hoffentlich! - und der Staat die Hilfe dann, quasi als Geburtstagsgeschenk, einstellt.

 

Tatsache ist, dass es sich im Slum von Adjouffou niemand leisten kann, die Medikamente selbst zu kaufen. Auch dann, wenn sie noch so billig sind. Also werden die jahrelang gratis Therapierten früher oder später so krank, dass sie Lotti aus ihren Holzhütten, wo sie zu sechst in einem vier Quadratmeter grossen Raum leben, herausholt. Sie in ihr Sterbespital bringt, das für zwanzig Nasen konzipiert wurde und inzwischen doppelt so viele todkranke Menschen, Männer, Frauen, Kinder, Babys beherbergt.

Und weil Lotti das Geld für die Medikamente auch nicht hat, gibt sie das, was sie kann - würdevolle letzte Tage. Schenkt sie einen würdevollen Tod. Niemand wurde je aus dem Spital getragen, ohne einen letzten Kuss auf die Stirn.

Aids hat eine neue Bedeutung für mich. Aids, ist die Krankheit erst ausgebrochen, zerfrisst einen medikamentös nicht behandelten Körper von innen heraus.

Aids lässt Frauen ihre Menstruation verlieren und ihr Gewicht, Aids macht schrecklichen Durchfall und lässt auf der Mundschleimhaut einen Pilz wachsen, der sich über die Speiseröhre, den Magen-Darmtrakt bis hin zum Anus ausweitet. Aids haben ist schlimm. Aids in Schwarzafrika haben schlimmer.

 
Lotti Latrous kennt das Leiden dieser Menschen aus dem Effeff, kennt es so, dass sie gar nicht anders konnte, als ihre Familie alleine ziehen zu lassen, um tropfenweise Wasser auf heisse Steine fallen zu lassen. Nicht aus einem Helfersyndrom heraus, sondern aus Wut. Aus Wut darüber, dass die Gerechtigkeit nirgendwo hockt. Mir trieb diese Erkenntnis auf der Zürcher Rämistrasse die Tränen in die Augen. Lotti weint nicht mehr, Lotti handelt längst."