Historie
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1953 - 1971
Lotti und Aziz
Liselotte Latrous-Hausmann wurde am 19. Mai 1953 im Bezirksspital Dielsdorf in der Schweiz geboren. Sie ist die älteste von drei Geschwistern. Im Alter von 16 Jahren ging sie als Au-pair nach Genf, wo sie ihren zukünftigen Ehemann - Aziz Latrous - kennenlernte. Diese Liebe hielt sie in Genf, wo sie eine Stelle als Pflegeassistentin in der Clinique Générale antrat.
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1971 - 1994
Familiengründung
Nach der Hochzeit 1972 fand Aziz eine Anstellung bei Nestlé und begann eine internationale Laufbahn. Ihr erster Sohn, Selim, wurde 1979 in Vevey geboren. Danach liess sich die Familie in Saudi-Arabien nieder, wo 15 Monate später ihre Tochter Sonia zur Welt kam. Sie lebten fünf Jahre dort, bevor sie nach Nigeria übersiedelten, wo 1989 ihre dritte Tochter, Sarah, geboren wurde.
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1994 - 1998
Wo alles begann
Im Jahr 1994 wurde Aziz in die Elfenbeinküste entsandt. Dort begann Lotti ihre Freiwilligenarbeit bei den Missionsschwestern der Nächstenliebe – ein Engagement, das ihr Leben grundlegend verändern sollte: Aus einem privilegierten Umfeld kommend, als Ehefrau eines leitenden Angestellten, wurde sie plötzlich mit Leid, Krankheit, Tod und Verlassenheit konfrontiert. Tausende Menschen, darunter viele Kinder, starben an AIDS. Lotti widmete diesen stigmatisierten und vernachlässigten Kranken ihr Herz und ihre ganze Kraft und setzte alles daran, ihnen Würde, Fürsorge und Mitgefühl entgegenzubringen. In den Elendsvierteln von Adjouffou wurde sie Zeugin von unermesslicher Armut und sozialer Ungerechtigkeit: Sie fand schwerkranke, abgemagerte und verlassene Menschen vor, die meist auf dem nackten Boden ihrer Lehmhütten lagen und von Fieber und Elend gezeichnet waren. So entschloss sie sich, in diesen Vierteln Hilfe zu leisten.
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1998
Das erste Centre
Die Gemeinde Port-Bouët stellte ihr ein Grundstück von 500 Quadratmetern zur Verfügung, auf dem sie mit der Unterstützung ihres Mannes ein bescheidenes medizinisches Ambulatorium im Slum von Adjouffou errichtete. Drei umgebaute Schiffscontainer dienten als Konsultationsraum sowie als Sozialbüro und hatten Platz für vier Betten, Toiletten und Waschräume. Davor hatte es einen überdachten Platz. Ein kleines Team von 5 Leuten wurde zusammengestellt, bestehend aus einem Arzt, einer Pflegeassistentin, einem Apothekenhelfer, einer Reinigungskraft und Lotti selbst. Das Ambulatorium öffnete am 1. Februar 1998 seine Türen für die Slumbewohner/innen.
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2002
Centre Espoir d’Eux - Das Hospiz
Da wirksame AIDS-Behandlungen zu diesem Zeitpunkt noch nicht verfügbar waren, kamen die meisten Patienten lediglich, um zu sterben. Der Umfang des Leids machte deutlich, dass eine spezialisierte Einrichtung für die Sterbebegleitung notwendig war. Zudem hatten viele Menschen Angst und Bedenken, in ein Ambulatorium zu kommen, wo fast täglich der Leichenwagen vorfuhr. So wurde im Jahr 2002 ein Hospiz mit 30 Betten gebaut, das Centre Espoir d’Eux („Ihre Hoffnung“), wo sterbende Menschen würdevoll in den Tod begleitet werden konnten.
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2007
Das Kinderheim
Viele Mütter verstarben und hinterliessen infizierte Kinder, die ebenfalls Schutz und Betreuung benötigten. Daher wurde 2007 das Waisenhaus eröffnet, das nahezu 50 Kinder aufnahm und in dem immer wieder Kinder ein neues Zuhause finden.
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2017
Die Umsiedlung
Nach achtzehn Jahren in Adjouffou und mit dem zunehmenden Zugang zu medizinischen Behandlungen konnten viele Patienten – insbesondere Kinder – gerettet werden. Im Jahr 2017 wurde das Projekt aufgrund des geplanten Ausbaus des Flughafens von Abidjan nach Grand-Bassam verlegt, weil die Regierung die angrenzenden Slums abreissen wollte. So machten sich Lotti und Aziz auf die Suche nach einem neuen Standort für ihre Zentren. Nach vielen Abklärungen konnte 2015 ein Grundstück von 5.000 m2 direkt vor einem grossen Slum in Grand-Bassam, rund 20 Kilometer entfernt, gefunden und erworben werden. Nach einer Planungs- und Bauzeit von nur 18 Monaten unter der Leitung von Aziz wurde das gesamte Centre l'Espoir in Grand-Bassam neu eröffnet — alle Patienten, alle Kinder und das gesamte Personal zogen mit um.
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2020
Village AYOBÂ L'Espoir
Später konnte die Fläche des Projekts auf insgesamt 7.500 m2 erweitert werden und im Dezember 2020 eröffnete Lotti ihr Herzensprojekt: das kleine Dorf „Village AYOBÂ L'Espoir" («Guten Tag Hoffnung»). Es entstand auf dem anliegenden Grundstück, das zuvor als Abfallgrube diente. Das generationenübergreifende Dorf bietet älteren, kranken und behinderten Menschen ein würdiges Zuhause mit dreizehn Häuschen, einer Gemeinschaftsküche sowie Andachtsräumen für Christen und Muslime. Die Kinder aus dem Waisenhaus besuchen das Dorf regelmässig – und haben dort ihre Grosseltern gefunden.
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2025
Lotti geht in den Ruhestand
Lotti trat mit 72 Jahren im Juni 2025 in den Ruhestand. Sie bleibt dem Projekt weiterhin als Beraterin verbunden und reist mehrmals im Jahr gemeinsam mit ihrem Ehemann Aziz nach Afrika, um ihre grosse erweiterte Familie zu besuchen. Wenn sie sich nicht in Afrika aufhält, verbringt sie Zeit mit ihren Kindern und Enkelkindern. Sie ist zutiefst dankbar und erfüllt, dieses aussergewöhnliche humanitäre Projekt mit der Unterstützung vieler Menschen guten Willens verwirklicht zu haben und es heute in vertrauensvolle Hände übergeben zu wissen.