Liebe Gönnerinnen, liebe Gönner
Ich wünsche Euch allen ein gutes neues Jahr. Vor allem Gesundheit, Licht, Liebe und Frieden. Auch wenn ich etwas verspätet bin, sind meine Wünsche nicht weniger von Herzen. Ich habe die Festtage mit Aziz, unseren Kindern und Enkelkindern in Genf verbracht. Es war eine sehr glückliche Zeit, und ich habe es genossen, dass wir nach Jahren wieder einmal alle zusammen waren.
Doch nun zu diesem Trimesterbrief und der Frage, warum Barbara und ich ihn uns abermals teilen. Das hat damit zu tun, dass Aziz und ich nach sieben Monaten Abwesenheit Anfang Januar nach Grand-Bassam zurückgeflogen sind. Die Ankunft war ein «Heimkommen» – meine Seele wurde beflügelt, mein Herzschlag verdoppelte sich. Wie sehr hatte ich sie alle, ja überhaupt alles, vermisst.
Aber von vorn: Wir stiegen am Morgen des 9. Januar bei minus 6 Grad ins Flugzeug und landeten am Abend bei plus 28 Grad. Heimkommen! Die Kinder warteten auf uns, und ich musste mich gegen eine Mauer stützen, um nicht von ihnen umgerannt zu werden. «Maman Lotti, Papa Aziz», riefen sie und stürmten auf uns zu – was für ein schönes Gefühl.
Am nächsten Tag besuchte ich als Erstes die Kranken in unserem Spital. Dort traf ich Patientinnen und Patienten, die schon, als wir gingen, bei uns hospitalisiert waren und sich über das Wiedersehen freuten. Ich war glücklich, sie – ebenso wie die neu Hospitalisierten – guten Mutes und voller Dankbarkeit anzutreffen. Denn wo sonst werden sie so herzlich aufgenommen und finanziell unterstützt? Danach ging ich ins Ambulatorium und wurde mit grossem Hallo, Umarmungen und Freudentränen empfangen. Ich wusste gar nicht, wo ich mit dem Zuhören anfangen sollte. Das Wichtigste, was ich zu hören bekam: Es geht allen gut.
Barbara und Llum haben sich gut eingelebt. Barbara hatte mich während dieser sieben Monate auch regelmässig kontaktiert und um Rat gefragt – dafür bin ich ihr sehr dankbar.
Aziz und ich haben uns dann in Ayobâ, unserem Dorf, in unserem Häuschen installiert. Was für eine Stimmung: friedlich und ruhig. Ein wahrer Friedensort, wo nie gestritten wird, wo Verständnis, Toleranz und Freundschaft herrschen. Wenn ich morgens auf meiner kleinen Terrasse sass, die afrikanische Musik hörte, die der Dorfchef erklingen liess, unseren Hühnern zuschaute, die herrlichen Webervögel beobachtete, wie sie ihre schönen Nester bauten, die Fledermäuse sah, die mit dem Kopf nach unten an den Kokospalmen schliefen, mir der Duft von Kaffee und frischem Brot entgegenwehte und die Seniorinnen und Senioren begannen, ihren Tag zu gestalten, dann wurde mir mit jedem Moment aufs Neue bestätigt, dass dieses Leben, das mir gegeben wurde, eine Gnade ist.
Dass diese alten, armen, behinderten Menschen bei uns ein Zuhause gefunden haben, dass sie glücklich und überaus zufrieden sind, ist das grösste Geschenk, das ich je erhalten habe. Und nun mit ihnen zu leben und jederzeit einfach zu den Kindern gehen zu können, zu den Patientinnen und Patienten oder ins Ambulatorium, ist ein weiteres Geschenk. Und dass Barbara und Llum sich so gut und liebevoll um unser Projekt kümmern, macht mir das Herz leicht. Wie dankbar bin ich für all das.
Wie schwer es vor 28 Jahren angefangen hat, als ich noch mit meinem alten Pajero in die Slums fuhr und sterbende Menschen einsammelte. Wie schwierig es in Adjouffou am Anfang war, als uns niemand wollte, weil wir «verseuchte» Menschen aufnahmen. Wie oft wurden unsere Kinder beschimpft: «Du dreckiger Aids-Hund.» Und wie oft musste ich trösten, Tränen trocknen und Fragen beantworten.
Gott hat es gut gemeint mit mir, indem ER mir die Kraft gab, dieses humanitäre Projekt aufzubauen. Und Ihr alle, meine lieben, treuen Gönnerinnen und Gönner: Ihr habt uns nie verlassen. Euer Vertrauen und Eure Hilfe zu erhalten, ist mir eine ganz grosse Ehre. Ich danke Euch tausendmal dafür.

Lotti vor ihrem Häuschen im Ayobâ mit dem Esel und umgeben von Kindern des Centers
In Ayobâ haben die Häuschen keine Hausnummern, sondern sind mit Bildern von Tieren gekennzeichnet. Die Kinder hatten für unser Häuschen einen Esel ausgesucht, obwohl sie nicht wussten, dass er mein Lieblingstier ist. Also fragte ich sie: «Warum gerade ein Esel?» Die Antwort rührte mich zu Tränen: «Weil er, wie du, ganz schwere Lasten tragen kann.»
Inzwischen sind wir wieder zurück in der Kälte. Dreimal dürft ihr raten, wohin meine nächste Reise geht. Aber ja, bis dahin ist noch Zeit. Ich weiss nun, dass in Grand-Bassam gut geschaut wird und alles so gekommen ist, wie ich es erhofft habe – ein weiteres Geschenk in meinem Leben.
Gott segne Euch.
Lotti Latrous
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Liebe Gönnerinnen, liebe Gönner
Zu Beginn dieses neuen Jahres möchte ich Ihnen im Namen des gesamten Teams des Centre Espoir und aller Bewohnerinnen und Bewohner unsere herzlichsten Wünsche übermitteln. Möge 2026 Ihnen Gesundheit, Gelassenheit und Glück bringen. Ihre Grosszügigkeit und Treue sind und bleiben die tragende Kraft unserer Mission, und dafür danken wir Ihnen von Herzen.
In Bassam durften wir nach einem schönen Weihnachtsfest im neuen Jahr Lotti und Aziz begrüssen und mit ihnen die grosse Freude des Wiedersehens erleben. Lotti hat zugehört, getröstet, umsorgt und wertvolle Momente mit den Kindern, den Seniorinnen und Senioren, den Kranken und den Mitarbeitenden geteilt. Papa Aziz wiederum war von einem Zentrum zum anderen unterwegs, half bei den jährlichen Instandhaltungsarbeiten, reparierte, strich und renovierte. Ihre Abreise hinterlässt die Spuren ihrer Präsenz – sowohl in unseren Herzen als auch in unserem Lebens- und Arbeitsumfeld. Für mich persönlich war dieser Besuch zudem eine wertvolle Gelegenheit, Lottis Rat zu erhalten, den ich immer brauche.
Heute möchte ich Ihnen Ernest vorstellen, unseren neuen Assistenten für Administration und Personalwesen. Ernest ist 27 Jahre alt, ausgebildeter Jurist, sehr motiviert und äusserst professionell. Er ist eine grosse Unterstützung für unser Team. Ihn bei uns willkommen zu heissen, ist eine doppelte Freude: seine Hilfe in der täglichen Arbeit zu erhalten und zugleich mitzuerleben, welchen tiefen Einfluss Lotti und das Centre Espoir auf sein Leben hatten.
Ein Kinderfoto von Ernest
Denn nach allen Wahrscheinlichkeiten war es nicht vorgesehen, dass Ernest der junge Erwachsene wird, der er heute ist. Seine Mutter starb, als er noch ein Baby war, sein Vater, als er sechs Jahre alt war. Er und seine beiden Schwestern wurden früh zu Waisen; eine der Schwestern litt an einer schweren Krankheit. Lotti trat in ihr Leben, als sie seine Schwester behandelte, und lernte dabei den kleinen Ernest kennen, der noch nie eine Schule besucht hatte. Mit acht Jahren konnte er dank des Centre Espoir die Grundschule neben dem Zentrum besuchen. Er entdeckte seine Freude am Lernen, holte Versäumtes nach, übersprang Klassen und wurde schliesslich einer der besten Schüler. Die Begegnung mit Lotti und die schulische wie soziale Unterstützung durch das Centre Espoir ebneten ihm einen Weg, auf dem ihn weitere Menschen begleiteten, bis er zu dem Mann wurde, der er heute ist.

Ernest mit seinen beiden Schwestern
Ernests Geschichte steht stellvertretend für die 772 Schulhilfen, die wir im Jahr 2025 gewähren konnten. Mit grosser Freude begleiten wir all diese „kleinen und grossen Ernests“, die vielleicht eine Chance ergreifen und einen Lebensweg verwirklichen, den sie sich ohne diese Unterstützung niemals hätten vorstellen können. Von Herzen danken wir Ihnen, dass Sie uns die Mittel geben, so viele Kinder und ihre Familien zu begleiten.
Barbara